Die Gründerstory von RST: Vom Basaltwerk zum Stahlbau
Jedes erfolgreiche Unternehmen hat einen entscheidenden Moment. Für RST war dieser Moment kein großer Vertrag, keine neue Einrichtung und kein schnelles Wachstum. Es war die Entscheidung, neu anzufangen.
In einem Interview, das im Alter von 102 Jahren aufgezeichnet wurde, reflektierte der Gründer von RST Hermann Steinhardt über die Herausforderungen, Chancen und Entscheidungen, die die Zukunft des Unternehmens prägten. Seine Geschichte ist eine von Widerstandsfähigkeit, praktischem Denken und der Bereitschaft, Veränderungen anzunehmen, wenn die Umstände es erforderten.
Als das alte Geschäft nicht mehr weitergehen konnte
Die Geschichte beginnt lange, bevor RST existierte.
Der Gründer kam erstmals 1951 in die Region, als die Aktivitäten noch auf die Sodenberg-Basaltmine konzentriert waren. Damals arbeiteten dort rund 200 Menschen. Im Vergleich zu modernen Bergbauunternehmen, die möglicherweise nur mit einer Handvoll Mitarbeiter arbeiten, war es eine ganz andere Ära.
Die Situation am Sodenberg wurde jedoch zunehmend schwieriger. Das Vorkommen war weitgehend erschöpft, und die Fortführung der Arbeiten wurde immer riskanter. Schließlich musste die Mine geschlossen werden, weil es zu gefährlich geworden war, weiterzumachen.
Für viele Unternehmen hätte eine solche Situation das Ende bedeuten können. Stattdessen wurde es der Beginn von etwas Neuem.
Neuanfang in Fladungen
Nach der Schließung des Basaltswerks traf der Gründer die Entscheidung, in Fladungen neu anzufangen.
Die Bedingungen waren alles andere als ideal. Die Winter in der Region waren lang und hart. Der Schnee kam oft im Oktober und blieb bis Ende April. Während dieser Monate wurden die normalen Abläufe weitgehend eingestellt, was Unsicherheit für die Mitarbeiter schuf und die Arbeitsmöglichkeiten einschränkte.
Anstatt die Untätigkeit während der Wintermonate zu akzeptieren, suchte der Gründer nach einer anderen Lösung.
In Fähigkeiten investieren und neue Chancen schaffen
Einer der ersten Schritte in eine neue Zukunft war die Investition in Menschen.
Der Gründer begann, die Werkstattmitarbeiter zu Schweißern auszubilden. Die Unterstützung des Arbeitsamtes hat diese Ausbildungsprogramme ermöglicht, sodass die Arbeiter weiterhin wertvolle Fähigkeiten entwickeln konnten, anstatt monatelang ohne Arbeit dazustehen.
Diese Entscheidung würde sich als weitaus bedeutender erweisen, als es damals jemand hätte vorhersagen können.
Was als praktische Antwort auf eine saisonale Herausforderung begann, legte allmählich den Grundstein für eine Zukunft im Stahlbau.
Die frühen Stahlbauprojekte
Als das Schweißer-Know-how im Unternehmen wuchs, entstanden neue Möglichkeiten.
Eines der frühen Projekte bestand darin, eine große Stahlhalle mit einer Spannweite von etwa 30 Metern zu errichten. Rückblickend Jahrzehnte später erinnerte sich der Gründer, dass er kaum glauben konnte, dass sie ein solches Projekt mit den damals verfügbaren Ressourcen abgeschlossen hatten.
Doch die Struktur steht bis heute noch.
Für ihn stellte dieses Gebäude mehr als nur ein erfolgreiches Projekt dar. Es zeigte, was durch Entschlossenheit, Handwerkskunst und Vertrauen in die Fähigkeiten des Teams erreicht werden konnte.
Der Anruf, der alles veränderte
Ein Wendepunkt kam unerwartet.
Eines Samstags erhielt der Gründer einen Anruf von einem langjährigen Freund. Die beiden kannten sich seit 1946 und hatten zusammen studiert.
Während des Gesprächs erwähnte sein Freund, dass er ein Bauprojekt in Saudi-Arabien plante.
Neugierig fragte der Gründer, wie groß das Gebäude sein würde.
Die Antwort war einfach: ungefähr 1.000 Quadratmeter.
Ohne zu zögern, antwortete er, dass er es bauen könne.
Sein Freund stellte dann die Frage:
„Hast du schon einmal eine Halle dieser Größe gebaut?„
Der Gründer antwortete ehrlich.
Nein, er hatte noch nie eine Halle dieser Größe gebaut.
Aber er glaubte, dass er es schaffen könnte.
Dieses Vertrauen, kombiniert mit völliger Ehrlichkeit, führte zu einer Gelegenheit, die die Zukunft des Unternehmens erheblich beeinflussen würde.
Sein Freund gab ihm den Auftrag.
Eine bahnbrechende Gelegenheit
Das Projekt in Saudi-Arabien wurde der erste große internationale Auftrag des Gründers.
Noch wichtiger ist, dass es eine Gewinnspanne von etwa 20 bis 25 Prozent erzielte.
Der finanzielle Erfolg dieses Projekts eröffnete neue Möglichkeiten. Mit den Einnahmen konnte der Gründer Land in Niederlauer, Bayern kaufen.
Was folgte, war ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Unternehmens.
Die Grundlage für die Zukunft legen
Nach dem Erwerb des Grundstücks in Niederlauer begann der Bau von Halle 1.
Alles, was am Standort Niederlauer gebaut wurde, geht auf diese Zeit zurück. Der Grundstückskauf und der Bau der ersten Halle legten das physische Fundament für das zukünftige Wachstum des Unternehmens.
Was als Reaktion auf die Schließung eines Bergwerks begann, hatte sich zu einer völlig neuen Geschäftsrichtung entwickelt.
Lektionen aus einem Leben voller Erfahrung
Rückblickend auf mehr als ein Jahrhundert Leben und jahrzehntelange Geschäftserfahrung war die Botschaft des Gründers bemerkenswert einfach.
“Man muss das Beste aus seinem Leben machen.”
Dabei stach ein Prinzip als ständiger Leitfaden sowohl im Geschäftsleben als auch im Leben hervor:
„Ehrlichkeit in jedem Teil des Lebens – das ist entscheidend.“
Es war dieselbe Aufrichtigkeit, die ihn dazu brachte zuzugeben, dass er noch nie eine 1.000 Quadratmeter große Halle gebaut hatte. Und es war auch das Vertrauen, die Herausforderung trotzdem anzunehmen.
Eine Geschichte neuer Anfänge
Die Geschichte von RST ist nicht einfach eine Geschichte über Stahlbau und Stahlkonstruktionen.
Es ist eine Geschichte darüber, sich anzupassen, wenn sich die Umstände ändern, in Menschen zu investieren, aus schwierigen Situationen Chancen zu schaffen und den Mut zu haben, neu zu beginnen.
Als die Sodenberg-Mine schloss, war die Zukunft ungewiss. Doch durch Beharrlichkeit, praktisches Denken und das Engagement, die Dinge richtig zu machen, entstand ein neuer Weg.
Dieser Weg führte letztendlich vom Ende des Bergbaus zu einem Neuanfang im Stahlbau – RST Stahlbau GmbH & Co. KG – Gemeinsam Zukunft bauen.
